DE Jazz’n’More, Jurg Solothurnmann (jan.2018)

Immer mit Schwergewicht auf Rhythmus und improvisation haben die Jazzmusiker nach dem Free Jazz in den letzten Jahrzehnten viele Alternativen getestet – vom Bruch mit allem Herkömmlichen bis zur interpretenhaften Geschichtstreue. Das junge Italienisch-amerikanischeTrio mit Emiliano Vernizzi (ts), Alessandro Sgobbio (p) und Nick Wight (dr) gehört definitiv einer neuen Generation an, die nichts verwirft, aber alles dekonstruiert und verschiebt, fast wie auf Portraits von Picasso order Bacon. Alessandro Sgobbio wartet mit faszinierenden Kompositionen auf, die vertraut klingen und doch nicht. Die moderne Rhythmusschulung zeigt Wirkung. Melodik und Harmonik sind tonal, aber die verschachtelten Formen und die jeweils nur kurz repetierten Rhythmen und wechselnden Spielfiguren sind fast alle asymmetrisch mit hinkenden Wechselmetren, also regelmässigkeit Unregelmässigkeit. Dabei überzeugen die Klarheit der Machart und die Präzision der Ausführung. Der Drummer Akzentuiert die Unisono-Strukturen von Kavier und Tenorsaxophon rockig und ohne Schnörkel mit,was dem Ganzen trotz Komplexität etwas sehr Entschlossenes verleiht und nie den Eindruck von Kopfmusik aufkommen lässt. Komposition dominiert; improvisiert wird in den meist kurzen zehn Stücken noch nicht sehr viel.