DE Jazz’n’More, Ruedi Ankli (nov.2016)

Seit 15 Jahren produziert Marco Valente unbeirrt eine Musik, die jenseits des Mainstreams liegt. Sein Label ist nicht das einzige, aber vielleicht das konstanteste bei seiner Förderung einer jungen und kreativen Schar von italienischen Jazzmusikern, die (noch) im Schatten der paar wenigen grossen Namen stehen, die auch im Ausland Echo finden.
Seit dem Debut-Album ”X-Ray” im Oktober 2001 mit dem Einstand des genial begabten Posaunisten Gianluca Petrella arbeitete Valente mit Meistern wie Aldo Romano, Michel Godard, Antonello Salis, Enrico Rava, Bill Frisell, Bobby Previte oder Steve Swallow zusammen, aber auch mit unterdessen anerkannten Künstlern wie Francesco Bearzatti oder Walter Beltrami.
Der Gitarrist Walter Beltrami ist nach Madrid ausgewandert und hat Anschluss an die internationale Szene gewonnen. Sein Album ”Felix’ Jump” im Panic Trio mit Danilo Gallo (b) und Stefano Tamborrino (g) scheint leicht zugänglich, lebt aber von einer erfreulichen Bereitschaft zum Risiko und unterstreicht Beltramis rasante Entwicklung. Nach dem wunderbaren Soloalbum ”Looperville” (JNM 2015/5) begeht er nun mit diesem Powertrio neue Wege des Gitarrentrios. Flaggschiff des Labels ist zurzeit der Gitarrist Francesco Diodati, der schon seit einigen Jahren durch Valente gefördert wird und dank seiner Präsenz auf ”Wild Dance” mit dem neuen Quartett von Enrico Rava auch internationale Aufmerksamkeit erreicht. Das neue Album mit seinem Quintett Yellow Squeeds, ”Flow, Home”, unter anderen mit dem talentierten Pianisten Enrico Zanisi, stellt er ein ausgereiftes und in jeder Beziehung faszinierendes Album vor. Klaus Widmann hatte ein gutes Händchen, als er diesen Sommer dem Gitarristen gleich mehrere Gelegenheiten bot, seine Vielseitigkeit vorzustellen und seine stilsichere Aufwartung zu machen.
Die jüngste Produktion von Auand, gleichzeitig die 61. CD der Serie, stammt von Filippo Vignato, einem Posaunisten, der mit Yannick Lestra (fender rhodes, synth b) und Attila Gyarfas (dr) seinen vielversprechenden Einstand auf Auand gibt. Das Trio spielt ausschliesslich eigene Kompositionen und vermag durch eine gewinnende Dynamik zwischen der Rhythmik von Gyarfas, der melodiösen Art des Keyboarders Lestra und den fesselnden Posaunensoli Vignatos zu gefallen.
Ebenfalls bei Auand, aber in einer anderen Serie, erschien ”Banaba”, ein Album von Mirko Signorile (p) und Marco Messina (electronics) in Zusammenarbeit mit dem Vertere String Quartet und mit Gast-Solisten wie Paolo Fresu. Spannungsvoll gestaltete Musik mit viel zeitgenössischer, manchmal auch trendig orientierter Elektronik und einem neuen, experimentellen Einsatz von Streichern.