DE musikansich.de, Wolfgang Giese (feb.2020)

Laut Besetzung scheint Bravo Baboon aus Rom zunächst einmal ein Piano-Trio zu sein. Und so startet Humanify, so der Titel des Debütalbums auf Auand Records, auch so. Allerdings ist hier kein reiner Jazz in diesem Sinne am Start. Vielmehr muss ich spontan an die Siebziger denken, an die Blütezeit des Jazz Rocks. Ein wenig an das Mahavishnu Orchestra, das heißt, reduziert auf drei Instrumente, erinnert es mich atmosphärisch, mithin also an eine Trioplatte mit Jan Hammer.

Und eigentlich atmet die ganze Platte auch viel von der Stimmung jener längst vergangenen Jahre. Ein kraftvolles Auftreten des Pianos, ein prägnanter Bass und ein Schlagzeuger, der elegant den Bogen vom Jazz zum Rock schlägt, das sind Merkmale, die einen großen Unterhaltungswert darstellen. Dazu sind es die verschiedenen Gäste, die das jeweilige besondere Extra in einige Songs einbringen, Simone Alessandrini (alto sax), Francesco Fratini (trumpet) und Carolina Bubbico (vocals).

Gesang mit Text gibt es jedoch nur auf dem Titelsong, die beiden anderen Musiker hört man auf den Tracks drei und fünf. So ist “Humanify“ durch den Vokaleinsatz der am meisten von populärer Musik geprägte Titel, mit einem holpernden Groove, der sich aus Rock und Fusion speist. Interessant wäre es gewesen, diese außergewöhnliche Kombination auch mit mehreren Songs präsentiert bekommen zu haben. Die auf den mit Saxofon und Trompete angereicherten Titeln ist dadurch auch Abwechslung geboten worden. “Na Ballad“ orientiert sich verstärkter dem Jazz und “Afrodanish“ ist ein auch stark mit Jazzflair angereicherter Fusion-Titel mit einem funkigen Groove.

Schade ist es insofern, dass der Rest der Platte ohne Gäste auskommen muss, gerade, weil man sich soeben daran gewöhnt hat. Nichtsdestotrotz kommt das keinem Qualitätsausfall gleich, das Niveau bleibt auf dem gleichen hohen Level. Ein wahrer Schwall von Elementen aus Jazz und Fusion ergießt sich voller Ideenreichtum und einer Gestaltung der Musik, die über das hinausgeht, was man von typischen Piano-Trio-Formationen kennt, auch die Grenzen solcher Trios wie E.S.T. werden mitunter spielerisch überschritten, auch durch die Hinzunahme vieler Klangexperimente wie die Verwendung von Wortfetzen (#6). Sehr hervorzuheben ist die Spielweise des Schlagzeugers, der eine recht eigene Variante präsentiert, von swingenden bis hin zu rockenden Elementen, auf individuelle Weise vorgestellt.

Kurzum, diese Musik bietet Unterhaltung von hohem Wert, zumeist in einem lockeren Groove, der ganz stark an die Musik der Siebziger erinnert, und teilweise entdecke ich Parallelen zu The New Tony Williams Lifetime, man lausche einmal zum Beispiel “Sometimes In May“, hier könnte jeden Augenblick Allan Holdsworth mit einem seiner typischen Soli um die Ecke schauen und das Bild jener Vergleichsband vervollständigen. Bravo, Bravo Baboon, das habt Ihr sehr gut gemacht, und ich hoffe, Ihr nehmt in Zukunft für den einen oder anderen Song noch einen Gitarristen à la Holdsworth hinzu.