DE musikansich.de, Wolfgang Giese (jul.2019)

Und noch einmal ein musikalischer Ausflug in den Süden. Drei Jahre, nachdem der italienische Gitarrist und Komponist Francesco Diodati sein letztes Album veröffentlichte, hat er nun seine neueste Produktion veröffentlicht, Never The Same. Zusammen mit der Band Yellow Squeeds entfacht der Gitarrist ein wahres Feuerwerk ungewöhnlicher Klänge.
Den Jazz vertreten grundsätzlich die Blasinstrumente Trompete, Tuba und Posaune. Viel Blech also, das jedoch nicht das verkörpert, was man aus dem klassischen Jazz kennt. Hier fusioniert man stark mit den von Gitarre und Keyboards erzeugten elektronischen Elementen. In gewisser Weise fühle ich mich ein wenig zurückversetzt in jene Zeit, als Miles Davis gerade sein wegweisendes Album “Bitches Brew“ veröffentlicht hatte. Jedenfalls bilden statisch rockende Elemente als Gegenpol zu swingendem Jazz die Grundlage. Und diese Rhythmik ist bisweilen so vertrackt, so verschachtelt aufgebaut, dass man sich kaum an einen Song durchgehend gewöhnen kann.
Diese Art von Zerrissenheit birgt jedoch auch jede Menge Spannungspotential, so dass es mit Sicherheit nie langweilig wird. Doch Vorsicht! Vorsicht für Alle, die puristisch veranlagt sind. Denn Jazzfreunde, Liebhaber von Jazz Rock/Fusion als auch Prog Rocker, denn auch solche Nuancen sind in kleinen Dosen vorhanden, von King Crimson vielleicht ein wenig, könnten es schwer haben, einen Zugang zu finden. Diese Musik kann nervenaufreibend sein, jedenfalls bietet sie kein gemütliches Klangbett, um sich darin fallen lassen zu können.
Ganz „böse“ wird es zum Beispiel beim Stück “Entanglement“, bei dem der Rhythmus ständig wechselt und man kaum zu Ruhe kommt. Das heißt also, hellwach bleiben über die Dauer der Spielzeit der Platte, doch das lohnt sich dann eben auch, weil man belohnt wird von dieser Fülle von spontan wirkenden Ideen und dieser kunstvoll ineinander verwobenen Klanglandschaft, ein wahrhaft schrilles Bild voller Intensität und Ausdruckskraft. Diese Strahlkraft wird jedoch auch dann erreicht, wenn dann plötzlich ein ruhiges und emotional sehr schönes Stück auf den Plan kommt, von sanften Trompetenklängen geleitet ist “Never The Same“ der möglicherweise zugänglichste Song.