DE musikansich.de, Wolfgang Giese (jun.2019)

“In Search of the Lost Chord“, so heißt eine LP der Moody Blues. Auf der Suche nach diesem verlorenen Akkord scheint die italienische Band um den Pianisten Luca Sguera möglicherweise auch zu sein. Denn man mäandert offensichtlich herum, um irgendeinen Einstieg bekommen zu wollen.
Aber so sollte man die musikalische Ausrichtung nicht vorrangig betrachten. Denn wenn man sich näher darauf einlässt, was von dieser akustisch/elektrischen Kombination der Instrumente erzeugt wird, dann wird man rasch entdecken, dass ein Kollektiv am Werk ist. So scheint ein Jeder ständig etwas zur Gesamtform beitragen zu wollen. In der Tat ist kein Instrument besonders bevorrechtigt.
Allerdings ist es typischerweise so, dass die eigentlichen Soloinstrumente wie Piano und Saxofon eine gewisse mehr vordergründige und leicht präsentere Stellung einzunehmen scheinen. Das Debütalbum des Pianisten, AKA, präsentiert Musik, die wie eine Entdeckungsreise anmutet. Ganz stark fühle ich mich hier an die erste Platte von Weather Report aus 1971 erinnert. Damals bezeichnete die Band ihre Musik auch entsprechend: “We never solo, we always solo.”
Und genau das scheint in Teilen auch hier zuzutreffen. Nur die langen Stücke, wie gleich “Go!“ lassen viel Raum für Improvisation innerhalb eines typischen Rhythmusgefüges, und auch hier wirkt es äußerst interessant, wenn sich das akustische Piano zu wilden Eruptionen anhebt und dabei vom gurgelnden elektrischen Bass untermalt wird. Doch auch bei diesem Song verliert sich die Musik schnell wieder in Zeit und Raum und schwebt verträumt und in Galaxien abgehoben klingend dahin, um auch der werten Hörerschaft diesen Freiraum zu gönnen, in dem man mitschweben und fliegen kann. Mitunter wähne ich mich in einer Atmosphäre von Aufbruchsstimmung, zu Forschungsausflügen in neue unbekannte Territorien.
Somit ist es vortrefflich gelungen, Zuhörer an die Hand zu nehmen und den Kreis zwischen Erzeuger und Konsument perfekt zu schließen. Nur muss man sich auf dieses mitunter nervenaufreibende Experiment einlassen, und wenn man es macht, dann breitet sich der Genuss weit aus. Die vielen Abwechslungen und unerwarteten Wendungen bringen eine ungeheure positive Spannung in die Musik. Mystische und gespenstisch ruhige Töne werden auch angeschlagen zwischendurch, fesselnd zum Ausdruck gebracht auf “Breathe“! Ja, das ist Musik von Individualisten für Individualisten.