DE Jazzthetik, Christoph Giese (feb.2010)

Marco Valente ist nicht nur ein verdammt sympathischer Zeitgenosse, sondern auch ein echter Musikliebhaber und Aesthet. Und deshalb gehoeren fuer ihn Musik und Design irgendwie zusammen. Soll heissen, die Veroeffentlichungen seines Labels Auand gibt es bislang noch nicht als Dowload. Es waere aber auch zu schade, die grossartige Musik seiner CDs nur mit den Ohren zu geniessen und sie auf schmucklose Rohlinge zu brennen. Schliesslich hat Marco Valente ein eigenes visuelles Konzept fuer seine Verpackungen entwickelt. Der Designer Francesco Monti setzt dabei ganz auf schwarz-weisse Kunst, die auf dem Frontcover nie erahnen laesst, wessen CD sich dahinter versteckt. Mit Gianluca Petrellas X-Ray fing 2001 alles mit Auand an, dem Label, das sich auf seiner Internetseite mit folgenden Worten vorstellt: “Energy, Risk, Conviction and the Unespected”. Wie wahr!
Inzwischen hat Marco Valente 21 Veroeffentlichungen bei Auand auf der Habenseitem die 22. vom italianischen Trio Chant ist in der Mache. Kuenstler wie Cuong Vu, David Binney, Giancarlo Tossani, Paolo Sorge, Antonello Salis, Emanuele Cisi oder Francesco Bearzatti haben CDs bei dem umtriebigen Italiener herausgebracht. Das eigene Label beschreibt Valente selbst als Avantgarde, aber was heisst das schon. Was auffaellt: Auand mag vielleicht herkoemmliche Besetzungen, aber sie variieren doch und klingen einfach anders. Wobei wir schon bei den ganz aktuellen CDs des Labels waeren – von Bobby Previte, Swallow / Talmor / Nussbaum und Francesco Diodati. Bobby Prevites Pan Atlantic ist ein energiegeladener Geniestreich mit Posaunist Gianluca Petrella (hier schliesst sich der Kreis), Saxofonist Wolfgang Puschnig, Benoit Delbecq an den Fender Rhodes, E-Bassist Nils Davidsen und natuerlich Bobby Previte an den Drums. Die Platte hat Dampf, aber auch innige, dramaturgisch klug zusammengestrickte Momente, sie haelt grossartige Konversationen del Musiker bereit, brilliert mit ungewoehnlichen Einfaellen von Drummer Previte und verwoehnt mit packenden Klangbildern. Einfach magisch.
Saxofonist Ohad Talmor, Bassist Steve Swallow und Drummer Adam Nussbaum pendeln auf Playing In Traffic zwischen vertraeumten Songs und forschen Parforceritten, zwischen Miniaturen und Raum fuer Entfaltung, zwischen laessigem Groove und dem Gestalten von Atmosphaeren. Diese Platte zeigt drei Meister, die zusammen im Moment kreieren. Gitarrist Francesco Diodati hat sich neben Drummer Ermanno Baron zwei weitere Francescos in sein Quartett geholt. Francesco Bigoni, den Tenorsaxofonisten, und Francesco Ponticelli, den Bassisten. Zu viert wird erst einmal gegroovt und hart geswingt, dass die Luft brennt.
Aber das Quartett kann’s auch ruhiger und sehr lyrisch. So ist Purple Bra eine gelungene Mischung aus adrenalingeschwaengerter und zurueckgenommener Musik. Jede der Auand-Veroeffentlichungen ist eine Entdeckung. Schoen, dass es fuer dieses spannende italienische Label von Marco Valente nun mit Challenge auch in Deutschland einen eigenen Vertrieb geben wird. Im Internet sind die CDs schon jetzt alle unter www.jazzos.com zu bekommen.