DE musikansich.de, Wolfgang Giese (feb.2020)

Gaetano Partipilo ist ein Jazz-Saxofonist aus Bari, Italien, dort geboren im Jahre 1974. Bereits seit dem Alter von acht Jahren spielte er in einer Band in der Heimatstadt, und schon sieben Jahre später beschäftigt er sich auf dem Conservatory of Music in Bari mit klassischer Musik. Nach dem Abschluss spielte er intensiv live mit Künstlern wie Mark Murphy, Tony Scott oder Enrico Rava. Im Laufe der Zeit kamen noch viele bekannte Musiker dazu, so dass sich auch der stilistische Rahmen ständig erweiterte.

Nach einem Umzug nach New York folgte die Veröffentlichung eines ersten Albums, das war 2002. Boom Collective dürfte die mittlerweile achte Platte sein. Liest man die Liste der beteiligten Musiker, dann deutet das auf Vielseitigkeit hin, Musik im Big Band-Format zum Beispiel. Und genau startet es mit “Opening Gate“, einleitende Worte von Angela Esmeralda, dann heftig swingende Big Band-Atmosphäre mit kraftvoll und leidenschaftlichen Soli. Doch schon während des Songs ergibt sich eine nächste Schattierung der Musik, ab etwa Minute sechs wechselt der Drummer, immer langsamer werdend, in einen schleppenden Groove mit sattem Funk, und Angela Esmeralda meldet sich wieder zu Wort. Diese Art des Arrangements ist in der Tat sehr ungewöhnlich und macht neugierig auf mehr.

Auch “In Tension“ birgt verschiedene Elemente ich sich, Jazz Rock, gepaart mit fetten Big Band-Bläsersätzen, und auch hier wieder engagierte Soli einzelner Musiker, sehr interessant schiebt sich hier zum Beispiel der Gitarrist Fabrizio Savino ein mit einem Solo, mit dem er die Musik in die Atmosphäre der Siebziger trägt, feinster Jazz Rock eben.

“Close Your Eyes“, es folgt eine Ballade, also – Augen schließen und dahintreiben und träumen. Aber auch hier zieht das Tempo dann an in Richtung dezent groovenden Funks. Zumeist bleibt es bei der sehr frisch wirkenden Interpretation von Funk und Jazz Rock, mit sehr vielen Jazz-Elementen des Hard Bop verziert. Zum Schluss dann eine der schönsten Balladen von John Coltrane – “Naima“. Hier hören wir eine sehr eigenwillige Interpretation, das jazzig-romantische Thema des Songs, auf dem Saxofon gespielt, wird untermalt von schleppendem Rock-Rhythmus und Streicherelementen, und so entsteht ein Gegensatz, der Einige vielleicht irritieren wird, Andere jedoch überzeugen hinsichtlich der Experimentierfreudigkeit der Band. Auf jeden Fall ein erneutes Qualitätsprodukt aus dem Hause Auand Records!